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Die Nichtmachbarkeit von Konstruktionen von vornherein erkennen und vermeiden (Raimund Probst)
Googeln Sie mal „Gewerkeloch WDVS“. Heute erhielt ich „ungefähr 668 Treffer“. Was ist mit einem Gewerkeloch gemeint? Gibt es das überhaupt? Gemeint ist die Zone zwischen Bordprofilen einer Fensterbank und einem Fensterstockrücksprung bzw. unter Füh- rungsschienen, die über dem Bordprofil enden. Das sieht in der Praxis dann bspw. so aus: Es ist schnell einzusehen, daß diese Bereiche geschlossen sein müssen, damit kein Wasser in das WDVS eindringen kann. Geschlossen gegen Regenwasser, das am Fensterrahmen oder an Führungsschienen ab- und in das Loch ein- läuft. Oder gegen Wasser, das von der Fensterbank hoch- und in alle Richtungen verspritzt („Spritzwasser“) und so in das Loch gelangt. Auch wenn die Löcher manchmal klein sind, darf man sich nicht dazu hinreißen lassen, sie als „Mini- lecks“ zu verharmlosen (so mal ein selbst ernannter Sachverständiger). Ist Wasser erst mal im System, beginnt es sein schädigendes Werk. Und nicht zu vergessen: Nasse Dämmung dämmt nicht mehr, jedenfalls nicht mehr so wie wenn sie trocken wäre. Nun aber zum Problem: Die Bezeichnung „Gewerkeloch“ soll suggerieren, daß hier weder der Fenster-, der Rolladen- / Jalousienbauer noch der Wärmedämmer zuständig seien. Dem ist aber nicht so! Baut der Fensterbauer (wie meist) auch die Fensterbänke ein, so hat er grundsätzlich schon mal darauf zu achten, daß der Zwischenraum schlagregendicht ist. Es gehört zu seinem Gewerk. Denn einmal geschieht der Einbau einer Dich- tung am leichtesten und saubersten bei der Endmontage der Fensterbank, z.B. durch Einlegen eines geeigneten Kompribandes (auch andere Methoden können erforderlich sein). Bei der Endmontage der Fensterbank ist also ist der richtige Zeitpunkt, eine Dichtung einzubauen. Zum anderen würde doch auch niemand in Zweifel ziehen, daß die Ein- dichtung des Anschraubstegs (der Fensterbank) zum Fensterstock hin ebenfalls vom Fensterbauer zu erbringen ist, oder? Im Nachhinein, wenn die Fensterbank mal dran ist, noch eine Dichtung einzubauen, ist meist nicht mehr so leicht mög- lich. Eine andere Sache ist, ob diese Leistung vertraglich vereinbart ist. Und hier scheint mir der Denkfehler seinen Ursprung zu haben. Ist die Eindichtung nicht ausdrücklich vereinbart, so müssen sich beim Fensterbauer wenigstens technische Bedenken einstellen (aus werkvertraglicher Sicht wird er die dann auch mitteilen müssen? was ggfs. recht- lich zu klären wäre.). Er schuldet ja immerhin - wie jeder Handwerker/Architekt (!?) - nicht nur die reine Arbeits- bzw. Planungsleistung, sondern deren Erfolg. (Nicht anders ist es bei den Rolladen-/Jalousiebauern. Setzen sie ihre Führungsschienen auf die Bordprofile auf, so müssen auch sie auf Dichtigkeit achten.) Nehmen wir nun an, der Fensterbauer schließt den Zwischenraum nicht, weil er nicht dazu verpflichtet ist und er mel- det auch keine Bedenken an. Das Loch bleibt also offen. Nun kommt der Wärmedämmer. Der bringt seine Anputzleisten* am Fensterrahmen oder an den Führungsschienen an. Zu diesem Zeitpunkt (ohne verdeckende Dämmplatten) ist in aller Regel sehr leicht zu ersehen, daß bei fehlender Dichtung am Fußpunkt direkt hinter seiner Anputzleiste eine undichte, eine „hinterfließbare“ Zone, mehr oder weniger groß, verbliebe. Nun sagen alle AbZ für WDV-Systeme (Allgemeine bauaufsichtliche Zulassung), daß alle Anschlüsse an andere Bau- teile schlagregendicht auszuführen sind. Was in Fachkreisen allgemein bekannt ist und spätestens der Wärmedämmer zwingend zu beachten hat (aufgrund öffentlicher Bauvorschriften, siehe in den jew. Landesbauord- nungen). Das braucht m.E. noch nicht einmal vertraglich explizit vereinbart zu sein, es ergibt sich zudem bereits aus der Natur der Sache (daß in WDVS keine Wässer eindringen dürfen). Selbst wenn der Wärmedämmer also die offene Zone rein augenscheinlich nicht erkennen können sollte (was meist nicht der Fall ist), muß man von ihm verlangen, daß er sich vergewissert. Alleine schon, weil es bekanntermaßen ja so häufig vorkommt (ich selbst stelle bei meinen Ausführungsprüfungen fast immer offene Anschlüsse fest, sehr selten sind welche mal verschlossen). Eine ganz simple Prüfung ist mit einem 0,05 mm dünnen Blechstreifen möglich. Geht er ohne Widerstand durch, ist keine Schlagregendichtigkeit gegeben. Auch ein Blatt Papier kann man einsetzen. Der Wärmedämmer kann natürlich einwenden, es gehöre nicht zu seiner Leistung, das Gewerk Fensterbauer etc. zu schließen, denn er kriege kein Geld dafür. Das mag sein. Aber wenn das zutrifft, so heißt das nicht, daß er keine Unter- grundprüfpflichten mehr hätte. Er muß also prüfen und wenigstens technische Bedenken haben. Teilt er sie auch noch seinem Auftraggeber mit, hat der erst dann die Chance, dem Problem beizukommen. Indem er den Fensterbauer etc. auffordert, den Wärmedämmer beauftragt oder Eigenleistung erbringt. Entscheidend ist, daß das Loch zu ist. Betrachtet man die Frage nach einem „Gewerkeloch“ also umfassend, muß man einsehen, daß es gar keines gibt! Die Vorgewerke, spätestens aber der Wärmedämmer, müssen das Problem erkennen, ggfs. auch lösen (Ausnahme: Der Auftraggeber ignoriert vorgebrachte Bedenken nicht). * der Link ist keine Empfehlung, er dient nur zu Anschauungszwecken für Anputzleisten (zurück)

WDVS und ein Gewerkeloch?

(08.03.20)