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Die Nichtmachbarkeit von Konstruktionen von vornherein erkennen und vermeiden (Raimund Probst)
In Leistungsbeschreibungen wird gerne der Begriff „malerfertig“ o.ä. verwendet. Für die Spachtelung von Gipsplatten (früher: Gipskartonplatten), die Spachtelung von Betonflächen, für Putzarbeiten, für werksseitig gelieferte und grundierte Zargen, etc. Was bedeutet nun bspw. „malerfertig“ konkret? Wie haben Oberflächen auszusehen, wenn sie „malerfertig“ sein sollen? Fangen wir von vorne an. Ein Nichtfachmann wird sich denken, na ja, zum Malen fertig, fertig für die Malerarbeiten, fertig für den Maler. So weit so gut, das scheint mir noch nachvollziehbar und verständlich. Woher will aber bspw. der Trockenbauer oder der Putzer wissen, was der Maler nachfolgend macht? Weiß er, ob ein Anstrich folgt und wenn ja welcher? Wird der Anstrich gespritzt, gerollt, mit dem Pinsel aufgetragen? Alleine diese Verfahren ergeben schon deutlich andere Fertigoberflächen. Weiß er, ob tapeziert wird und wenn ja welche Tapeten? Es macht einen erheblichen Unterschied ob Rauhfaser, Glasfa- ser, Malervlies, Papiertapete, Textiltapete, Metalltapeten mit Makulaturpapier darunter, glatte, strukturierte, glänzende oder matte Tapeten verklebt werden sollen. Dementsprechend unterschiedlich muß der Untergrund vorbereitet sein, um ein gewünschtes Oberflächenaussehen zu erhalten. Kann man aber von den Vorgewerken verlangen, daß sie sich darauf einstellen oder gar die Unterschiede genau zu deuten wissen? Selbst wenn in ihren Leistungsbeschreibungen stünde, was nachher ausgeführt wird. Weiß ein Verputzer, ein Trockenbauer oder ein Industriewerk im Detail, was genau erfor- derlich ist, um einen geeigneten Untergrund für die nachfolgenden Malerarbeiten zu erbringen? Sehr wahrscheinlich nicht! Es kommt hinzu die Frage nach den Nebenleistungen * . Sind diese auch mit zu erbringen, obwohl sie der Maler ggfs. schon zu erbringen hat? Begriffe wie „malerfertig“, „zum Streichen fertig“, „beschichtungsfähig“, „tapezierfertig“, etc. klären diese Fra- gen nicht. Wie eine Oberfläche vor den Malerarbeiten aussehen muß, wird bestimmt durch die Malerarbeiten danach. Laien oder Vorgewerke können dies in aller Regel nicht beurteilen. Deshalb kann man nur den guten Rat geben, solche unklaren Begriffe nicht zu verwenden, will man späteren Ärger (und meist auch Zusatzkosten!) vermeiden. Klarheit schaffen nur Beschreibungen, die für einen Fachmann präzise und ein- deutig sind. Und hat man schon solche unklaren Formulierungen im Vertrag, sollte man sich, noch bevor es zu aufreibenden Streite- reien über die Auslegung kommt, wenigstens im Nachhinein einigen, wie die Oberfläche auszusehen hat. Gegebenenfalls muß man auch Zusatzgeld ausgeben. Ergänzend ist hinzuzufügen: Selbst wenn der Maler der Spachtler wäre, er seine Vorleistungen also selbst erbringt, ist durch die Verwendung des Begriffs „malerfertig“ o.ä. noch keine Klarheit geschaffen. Beispiel: Gipsplatten malerfertig spachteln in Oberflächenqualität Q3, hochglänzende Latexfarbenanstriche in weiß. Bedeutet malerfertig nun, daß die Oberfläche noch über Q3 hinauszugehen hat, denn Q3 ist für hochglänzende Latexan- striche nicht geeignet, will man ansehnliche Oberflächen erhalten. Oder war tatsächlich nur Q3 gewollt? Was hat dann der Begriff malerfertig dort zu suchen? War es versehentlich „doppelt gemoppelt“ oder der anrüchige Versuch, „durch die Hintertür“ kostenfrei Zusatzleistungen zu bekommen? * Nebenleistungen sind Leistungen, die auch ohne explizite Erwähnung im Vertrag zur vertraglichen Leistung gehören (und deshalb nicht extra berechnet werden können), also bspw. „Ausbessern von einzelnen kleinen Schäden in der Altbeschichtung und im Untergrund, z. B. vereinzelte Vertiefungen, die durch Stoß entstanden sind, ausgenommen Leistungen nach Abschnitt 4.2.1.“ (Ziffer 4.1.7, DIN 18363:2019-09) (zurück)

Der Maler ist fertig, zum streichen geeignet?

(22.02.20)