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Die Nichtmachbarkeit von Konstruktionen von vornherein erkennen und vermeiden (Raimund Probst)
Unschönen Bewuchs möchte auf seiner Fassade niemand haben, schon gar nicht auf einer neu gestrichenen, oder neu hergestellten Fassade, bspw. einem Wärmedämm-Verbundsystem (kurz „WDVS“). Regelmäßig entsteht darüber Streit, ob Algen- und/oder Schimmelpilzbefall nun einen Mangel darstelle. Der Rechtsanwalt und Bauingenieur Horst Fabisch weist in seinem „Blog.Baurecht“ auf ein erhebliches Haftungsrisiko für Planer, Handwerksbetriebe und Hersteller von WDVS hin: Haftungsfalle Algenbefall an WDV-Fassaden. Er verweist dabei u.a. auf obergerichtliche Rechtsprechung (OLG Frankfurt, OLG München, BGH). Dazu muß man wissen, daß ein Befallsrisiko im Außenbereich im allgemeinen mit zunehmenden Benässungsdauern steigt. Weil WDVS-Fassaden den Wärmedurchgang von innen nach außen ja verringern (eindämmen) sollen, ist es nur zwingend, daß, im Vergleich zu einem herkömmlichem Wandaufbau, die Benässungsdauern gedämmter Fassaden stei- gen. Benässungen geschehen durch Regen, Schnee, Reif, Eis, aber auch durch kondensierende Luftfeuchte. Letzteres geschieht meist nachts, wenn auch nicht so ohne weiteres erkennbar. Gleiche Wassermengen können bei gedämmten Wandaufbauten logischerweise nur langsamer abtrocknen, es kommt ja weniger Wärme von innen nach. Deshalb steigen die Benässungsdauern. Und ein ausreichendes Feuchteangebot (also Wasser, H 2 O) ist immer das entscheidende Krite- rium. Auf trockenen Oberflächen wächst nichts. Kurzzeitige, selbst intensive Benässungen, haben keine Folgen, wenn sie wieder rasch abtrocknen können. Auch wenn weitere bewuchsfördernde Faktoren (Verschattung, Bepflanzung, …) vorlie- gen, wächst immer noch nichts ohne ausreichendes Feuchteangebot. Und fast nur diese Benässungsdauern könnten, unter den vielen Faktoren, die einen mikrobiellen Bewuchs (Algen, Schimmelpilze, Moose, Flechten, …) ermöglichen / fördern, gezielt beeinflußt werden. Maßnahmen wie Biozide den Putzen/Farben zuzusetzen, lösen das Problem nicht wirklich, bestenfalls zeitlich begrenzt (ca. 5 Jahre), und schaffen ein neues (Auswaschung ins Grundwasser). Somit muß man, wenn man Fassaden dämmt (mit WDVS) mit einem erhöhten Befallsrisiko rechnen. Risiko bedeutet, wie immer: Kann gut gehen, muß aber nicht. Was Planern, Handwerkern und sogar Herstellern aus rechtlicher Sicht zu raten ist, ist dem Aufsatz zu entnehmen. (zurück)

Wenn sich Algen balgen… Haftungsfalle

(15.02.20)